Infos:
Titel der Originalausgabe: Ensel und Krete
Band innerhalb der Reihe: Zamonien
Genre: Fantasy
Übersetzung: -
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-45017-6
Seiten: 255
Preis: 9,95
Wie bin ich auf das Buch aufmerksam geworden?
Der letzte ungelesene Zamonien-Roman von Moers
Kurzbeschreibung des Verlags:
Nach »Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär« entführt Walter Moers die Leser erneut in das Zauberreich Zamonien, eine Welt, die von unsterblichen Sternenstaunern, Wollhühnchen und einer Waldspinnenhexe bevölkert ist. Hier spielt auch das höchst ungewöhnliche Märchen des Geschwisterpaars Ensel und Krete…
Meine Rezension:
Ensel und Krete sind ein Geschwisterpärchen aus Hachen, die zusammen mit ihren Eltern Ferien in Bauming machen. Die beiden Fhernhachen suchen, wie eigentlich jeden Tag, Himbeeren am Waldesrand. Doch Ensel hat langsam keine Lust mehr darauf, jeden Tag dasselbe zu machen ohne dass mal etwas Spannendes passiert. Er will lieber weiter in den Wald hinein und mal auf Bäume klettern, etc. Doch das ängstigt seine Schwester, denn dort im Wald soll es eine Hexe geben. Ensel gelingt es schließlich, dass Krete mit in den Wald geht. Um später den Weg wieder zurückzufinden, lassen sie Himbeeren auf den Boden fallen. Während sie immer tiefer in den Wald gehen, findet ein Erdgnömchen die hingeworfenen Himbeeren und wittert ein Festmahl. Schnell sagt es den anderen Erdgnömchen Bescheid und sie sammeln alle Himbeeren ein.
Nachdem Ensel später genug vom Klettern hatte, wollen sie sich auf den Rückweg machen. Nur finden sie die Himbeeren nicht mehr. Tiefer und tiefer laufen sie im Wald umher ohne einen Ausweg zu finden…
Um “Ensel und Krete” habe ich lange einen Bogen gemacht, zum einen, weil es der einzige Roman von Moers ist, den ich noch nicht kenne und zum anderen weil mich die wenigen Seiten etwas abgeschreckt haben. Und so muss ich leider sagen, ich bin ein wenig enttäuscht hiervon.
Moers zählt zu meinen Lieblingsautoren und ich liebe und bewundere seine Phantasie. Normalerweise kann ich in seine Bücher eintauchen, alles andere um mich herum vergessen und mich dabei kaputt lachen. Doch hier ist das nicht so sehr geglückt.
Die Fhernhachen, die hier im Mittelpunkt stehen, waren mir schon aus anderen Zamonienromanen bekannt und mir hat dieses Völkchen eigentlich sehr gefallen. Auch hier haben mich die beiden Geschwister oft zum Schmunzeln gebracht – aber mehr auch nicht.
Die meisten Figuren bleiben einfach oberflächlich, werden mal kurz erwähnt, spielen eine kleine Rolle und fertig, tschüss, das nächste Wesen. Währendessen irren die beiden immernoch im Wald umher. Irgendwie immer dasselbe. Die Handlung plätschert vor sich hin und verliert im Lauf der Geschichte an Spannung und Charme. Anfangs habe ich wenigstens mit den Figuren noch mitgefiebert, doch am Ende hin, war mir selbst das egal und ich habe nur noch auf das Ende gewartet.
Die Idee ist eigentlich toll. Ein Bekanntes Märchen nehmen, Hänsel und Gretel, und dieses ein wenig auf Moers Art verändern. In der Theorie klingt das nach einem tollen Buch. “Der Schrecksenmeister” basiert ja ebenfalls auf einer Novelle von Gottfried Keller (“Spiegel, das Kätzchen“) und das hat Moers wirklich genial umgesetzt. Nur leider im Falle von “Ensel und Krete” leider nicht.
Die Geschichte wird von Hildegunst von Mythenmetz erzählt, was eigentlich ganz amüsant ist. Hildegunst liebe ich bereits seit meinem ersten Moers, “Die Stadt der träumenden Bücher” und ich freue mich daher über jedes Wiedersehen mit ihm. Doch hier hat es mich ab und zu ein wenig genervt. Während er die Geschichte erzählt, unterbricht er diese oftmals. Seine “Mythenmetzschen Abschweifungen” waren zuerst ziemlich amüsant, ich habe ab und zu sehr gelacht, doch an manchen Stellen fand ich es einfach überflüssig und es hat auch leider den Lesefluss gestört. Und so richtig in eine Geschichte eintauchen kann man auch nicht, wenn bei fast jeder spannenden Stelle plötzlich über was anderes geschrieben, philosophiert wird.
Der Schreibstil ist typisch Moers, wie auch die Aufmachung. Es gibt viele Zeichnungen, verschiedene Schriftarten, etc. wie man es auch sonst von Moers gewöhnt ist und was ich an seinen Büchern so toll finde. Das Cover ist ebenfalls sehr gelungen. Die braune Farbe mit den geschwungenen Linien sieht aus wie ein Baum mit Maserung, indem zwei ängstliche Fhernhachenkinder sitzen und hinausspähen. Natürlich sehr passend zum Inhalt, wo eben Fhernhachen die Hauptrollen spielen und sich in einem Wald verlaufen haben.
Insgesamt ist “Ensel und Krete” für mich einer der schlechteren Moers. Er zeigt zwar, dass er etwas kann, aber er lässt seiner Phantasie nicht freien Lauf, was ich an seinen Büchern sonst so schätze. Die Geschichte ist schnell erzählt, schnell gelesen, und leider auch schnell wieder vergessen. Schade.
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