Infos:
Titel der Originalausgabe: The undrowned child
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Jugendbuch
Übersetzung: Melodie der Meerjungfrauen
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-6870-5
Seiten: 511
Preis: 18,90
Wie bin ich auf das Buch aufmerksam geworden?
Die Nina hatte das Buch im Twitter gezeigt und wegen dem Cover und MEERJUNGFRAUEN wollte ich es haben…
Kurzbeschreibung des Verlags:
Im Sommer 1899 erfüllt sich Teos größter Wunsch. Sie reist mit ihrer Familie nach Venedig, in die Stadt der Gondeln, Kanäle und Palazzi. Doch der Anlass der Reise ist ernst: Venedig droht im Meer zu versinken und Teos Eltern, zwei Wissenschaftler, sollen nach einer Lösung des Problems suchen. Dass ihr Schicksal eng mit der Lagunenstadt verknüpft ist, ahnt Teo nicht – bis ihr der Schlüssel zur geheimen Stadt in die Hände fällt. Das Buch entführt Teo ins Reich der Meerjungfrauen, wo sie bei einer Tasse Seetangkakao schier Unglaubliches erfährt: Laut einer uralten Prophezeiung soll sie dazu auserwählt sein, Venedig zu retten …
Meine Rezension:
Venedig, 1899.
Die 11jährige Teo, die bereits als Baby adoptiert wurde und deren richtiger Name Teodora lautet, möchte unbedingt nach Venedig reisen. Schon immer zieht es sie in diese Stadt und nun, da Venedig im Sterben liegt, geht ihr Wunsch endlich in Erfüllung.
Ihre Eltern und diese von Maria, die mit auf die Reise geht, sind alle Wissenschaftler, die nach Venedig reisen um zusammen mit anderen nach einem Heilmittel für die Stadt zu suchen.
Während die Wissenschaftler die meiste Zeit auf einem Kongress verbringen, sollen sich Maria und Teo eine schöne Zeit dort machen, doch die beiden Mädchen, die sich nicht leiden können, haben bereits früh miteinander ausgemacht, sich nur abends, wenn sie bei ihren Eltern sind, zusammen zu zeigen und tagsüber alleine durch die Stadt zu ziehen.
Doch es kommt alles anders. Als Teo mit ihren Eltern eine Buchhandlung betritt, fällt ihr ein Buch auf dem Kopf, das sie mitnimmt und sogar ihren Namen kennt. Kurz darauf muss Teo ins Krankenhaus, wo bereits viele kranke Kinder sind, doch auch dort wird sie nicht lange bleiben können.
Als sie schließlich als Geist zwischen-den-Welten herumläuft und nur noch Kinder sie sehen können, trifft sie auf den Jungen Renzo und auf die Meerjungfrauen, die sie endlich über ihre Herkunft aufklären können und ihr erzählen, dass nur sie Venedig vor dem Verräter Bajamonto Tiepolo retten kann…
Wenn man das wunderschöne, freundliche Cover und dazu den Inhalt liest, erwartet man hier eigentlich einen schönen, spannenden Jugendroman. Venedig als Setting ist eine tolle Idee und Meerjungfrauen sind in Fantasyromanen auch eher eine Seltenheit. Doch leider hält weder Inhalt noch Cover, was es verspricht.
Das Buch müsste eigentlich etwa ab 12 Jahren sein, doch verständlicherweise hat sich der Verlag wohl dagegen entschieden, sodass es offiziell keine Altersangabe dazu gibt. Nur leider sollte dem Leser irgendwie klar werden, dass diese Geschichte nicht so schön ist, wie sie klingt, sondern vorallem ziemlich düster und Worte wie “Schlächter” und “aufschlitzen” viel und gerne gebraucht werden.
Der Titel “Melodie der Meerjungfrauen” klingt zwar schön und teilweise passend, doch im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, wenn es dann auch mehr um die Meerjungfrauen gegangen wäre, doch im Mittelpunkt stehen eindeutig Teo, Maria und Renzo.
Zuerst einmal zu den Charakteren. Maria und Teo sind genau gegensätzlich dargestellt. Beide etwa 11 Jahre alt, doch Teo ist schon immer eine Außenseiterin gewesen, weil sie gerne Bücher liest. Maria ist in der “In-Clique” weil alle Jungs sich nach ihr umdrehen, mit ihr flirten und sie sich lieber um Mode und Kosmetik kümmert, als um Schule. Beide haben Probleme mit ihrer Familie. Während Teo bei Adoptiveltern aufwächst und ihre richtige Herkunft nicht kennt, nehmen Marias Eltern sie nicht wirklich wahr – da kann sie noch so aufgetakelt herumlaufen wie sie will. Und da ist eigentlich schon mein erster Kritikpunkt. Es ist zwar “nur” ein Jugendbuch, aber dennoch ist mir die Charakterisierung der Kinder einfach zu einseitig. Nur weil man liest und nicht die neueste Mode trägt, ist man automatisch ein Außenseiter. Außerdem empfinde ich es als ein wenig übertrieben, dass man sich in dem Alter schon in diesem Maße für Kosmetik, Jungs, etc. interessiert. Sicherlich ein wenig, aber das der ganze Lebensinhalt darauf ausgerichtet ist? Nein, das ist mir zu unglaubwürdig.
Renzo ist ein richtiger Venezianer – wie er immer wieder und überaus stolz erwähnt und man als Leser den Gedanken bekommt, dass anscheinend Menschen anderer Herkunft nicht so viel wert wie Venezianer sind und Venezianer sowieso die besseren Menschen. Vorallem diese ewiglichen Vergleiche zwischen Napoletana und Venezianer hat mich sehr gestört.
Die meistgenannten Worte in diesem Buch sind sicherlich “Schlächter” und “aufschlitzen”. Wer sich nicht mit der venezianischen Geschichte auskennt, bekommt ihr gleich zwei gruselige Gestalten aufgetischt, die die Geschichte düsterer machen, als man denkt.
Ich bin was Gewalt, Blut, etc. angeht, sehr abgehärtet, doch hier hat mich die ständige Erwähnungen von “Kehle durchschneiden”, den “kinderfressenden Schlächter”, etc. mehr als gestört und es war einfach nicht mehr schön. Es werden zwar keine Kinder so brutal umgebracht, die meisten sterben dann wohl eher an der Beulenpest, aber dennoch klang das die ganze Zeit über abschreckend und andere, gemäßigtere Worte, hätten da sicherlich auch ausgereicht.
Das Ende war dann auch nicht sehr zufriedenstellend. Eine Schlacht, in der allerhand Gestalten auftauchen über geflügelte Steinlöwen zu Vampiraalen und dann einem zu positiven Ende, das ich schon recht unglaubwürdig empfinde. Auch sehr schade, dass nicht alle Fragen beantwortet wurden.
Der Schreibstil ist recht einfach und er hat mich ab und zu an ein Kinderbuch erinnert. Dennoch sind manche Formulierungen oder Vergleiche ein wenig seltsam, allerdings ist da dann die Frage, ob das eventuell an der Übersetzung liegt.
Doch die Geschichte war nicht nur schlecht, es gibt auch ein paar Sachen, die ich sehr mochte. Zum einen erstmal das Setting, Venedig. Ich war bisher leider noch nie in dieser Stadt, doch je mehr ich davon lese, umso lieber möchte ich da mal hinreisen und es scheint sich wirklich zu lohnen. Da Teo noch nie in dieser Stadt war, erlebt sie diese auch eher wie ein Tourist, was mir gut gefallen hatte.
Auch ist die Gestaltung innen sehr toll. Neben einem blauen Lesebändchen, gibt es eine Karte über Venedig und im Anhang wird erklärt, welche Sehenwürdigkeiten, die im Buch vorkommen, es noch heute zu sehen gibt und auch über die Geschichte Venedigs wird ein wenig berichtet, bzw. etwas sachlicher erklärt als es im Buch dargestellt wird.
Nichtsdestotrotz hat mich “Melodie der Meerjungfrauen” enttäuscht. Der Inhalt klingt spannend, doch die Umsetzung ist leider misslungen. Und vorallem finde ich es schade, dass Cover und die Geschichte wenig zusammenpassen und daher leider andere Erwarungen gestellt werden…
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